JOMO - Die Freude, Dinge zu verpassen
"JOMO" - The Joy of missing out. Was steckt dahinter?
Was früher Angst war, etwas zu verpassen, ist heute Freude, es bewusst nicht zu erleben.
Ich weiß noch, eines Tages, als ich in den Mittzwanzigern war und jemand im Chat schrieb. Er schrieb mir alles von seinen Plänen und dann sagte er: „Wegen FOMO.“ Damals musste ich das Wort googeln. Ich war noch nie so trend-affin.
Dann sah ich „The Fear of Missing Out“, also „die Angst, etwas zu verpassen“.
Ich musste spontan lachen, aber zum damaligen Zeitpunkt konnte ich es auch nachvollziehen. Es gab einen Zeitpunkt, da denkt man, man muss verschiedene Dinge erleben, vielleicht auf die nächste Party gehen oder kann gewisse Dinge nicht verpassen, weil man vielleicht sonst zu alt ist oder nicht mitsprechen kann – was auch immer die Gründe.
Manchmal, gerade wenn du jünger bist, machst du auch viel einfach unbewusst. Das hat auch seine Vorteile.
Und so gehst du von einem Ort zum nächsten, machst deine Erfahrungen und nimmst vielleicht das ein oder andere mit.
FOMO ist etwas, was viele beschäftigt. Bei den einen sind es Reisen, bei den anderen Erfahrungen mit Partnern, Events oder später sogar, wenn es um Familienplanung oder Job geht. FOMO kann richtig real wirken. Besonders, wenn du im Umfeld Menschen hast, die genau das leben, gelangst du schnell auch unter Druck. Oder man denkt, man müsse was zum Mitreden haben oder wie auch immer.
Dann wirst du älter und kommst an einen Punkt, wo du merkst, irgendwas hat sich geändert. Irgendwas fühlt sich nicht mehr stimmig an. Bis du merkst: Du hast dich verändert.
Und dann kommt der Moment, da fragst du dich: Für was mache ich das eigentlich? Für wen mache ich das eigentlich?
Und genau hier findet häufig der Shift statt. Plötzlich bleibst du mehr zu Hause, du verzichtest freiwillig auf die ein oder andere Party oder Freizeit-Veranstaltung. Du genießt auch mal gerne deine Ruhe.
Irgendwann habe ich genau davon gelesen. Jemand nannte es „JOMO“, sprich „The Joy of Missing Out“ (zu Deutsch: „Die Freude, etwas zu verpassen“).
Ich weiß nicht, ob es am Alter liegt oder einfach an der Erfahrung oder inneren Lebenseinstellung, JOMO beginnt mehr und mehr, sich in meinem Leben breit zu machen. Und die Konsequenz? In der Tat, mehr Freude.
Was früher Angst war, zu verpassen, ist heute Freude, es bewusst nicht zu erleben.
Wenn du niemandem mehr etwas vormachen musst, gibt es niemanden zu imponieren. Wieso müsstest du dann das Gefühl haben, etwas zu verpassen? Natürlich gibt es verpasste Chancen, darum geht es hier weniger.
Es geht vielmehr um den ständigen Drang, etwas zu machen, weil du sonst das Gefühl hast, es zu verpassen. Aber nicht für dich, sondern eher im Rahmen einer Gruppe, Gesellschaft. Als würdest du nicht dazugehören.
Vielleicht müssen wir gar nicht alles erleben.
Wir können nicht auf jeder Party sein, jede Reise machen, jedes Event besuchen, jede Erfahrung mitnehmen und gleichzeitig unser eigenes Leben leben. Irgendetwas verpassen wir immer. Die Frage ist vielleicht eher: Ist es etwas, das ich wirklich verpassen möchte – oder etwas, bei dem ich nur Angst habe, nicht dazuzugehören?
Es geht vielmehr um den ständigen Drang, etwas zu machen, weil du sonst das Gefühl hast, es zu verpassen. Aber nicht für dich, sondern eher im Rahmen einer Gruppe, Gesellschaft. Als würdest du nicht dazugehören.
Habe ich früher ab und zu gedacht: „Die Party darf man nicht verpassen mit dem speziellen DJ“, bleibe ich heute freiwillig freitagabends zu Hause ohne Alkohol. Langweilig, sagen manche. Völlig ok.
Für mich? Pure Entspannung. Samstagmorgens ohne Kater aufzuwachen, freitags nachts nicht mehr zu trinken, nur um vielleicht jemanden zu spielen, der ich nicht bin, und stattdessen lieber bei mir zu bleiben, als mich zu verlieren – pure Freude.
Genau heute, wo die Gesellschaft sich in Richtung Erlebnis-Orientierung hinbewegt hat, darf man noch stärker abwägen: Was passt zu mir? Was muss ich mitmachen? Wo denke ich, dass ich wirklich was verpasse? Hier kann es helfen, sich zu fragen: Verpasse ich wirklich was oder verpasse ich es nur, wenn ich in starken Erwartungshaltungen oder Gesellschaftsdruck bin?
Besonders aktuell verschieben sich Interessen und Aktivitäten – genau hier kann es dir helfen zu fragen: Muss ich da wirklich hin? Muss ich das wirklich mitmachen? Oder überwiegt manchmal tatsächlich die Freude, etwas zu verpassen?
Und vielleicht noch wichtiger:
Was würde ich stattdessen eigentlich viel lieber machen?
Das heißt nicht, sich bewusst einzukrümeln. Sondern eher, das zu machen, was wirklich dir entspricht.
Ein Impuls:
- Sag einmal bewusst „Nein“ zu etwas, das du eigentlich nur machen wolltest, weil alle anderen hingehen oder es machen. Und beobachte, ob du es wirklich vermisst. 😉
11. September 2026
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