Wie die sozialen Medien manchmal nicht nur Träume zerstören, sondern uns beeinflussen, wie wir leben sollten
Ein verzerrtes Bild zwischen Illusion und Authentizität
Viele Schaut man auf die Studien, so sieht man, wie viele früh morgens schon direkt nach dem Aufwachen zum Handy greifen. Heutzutage nimmt man so viel Inspiration online – von Reisetipps über Creme-Suggestions über „Place to be“.
Und man wird ganz schnell unbewusst in eine Richtung gezogen. Was in ist, wo man hip ist. Wo man mitmachen muss. Doch muss man jedem Trend hinterherrennen oder kann dieser Trend sogar dafür sorgen, dass man sich am Ende noch weiter von den eigenen Träumen und Bedürfnissen entfernt?
Schaust du dir die Blogger-Welt an und das durchschnittliche Profil eines Bloggers, denkst du, er lebt in einer perfekten Welt. Perfekt gestriegelte Fotos, idealer Lebensstil. Lächeln. Schöne Locations.
Doch was du oft nicht siehst. Die Herausforderungen, die schweren Momente. Du siehst Momente, die gerade positiv sind. Und doch gibt dir immer das Gefühl, mithalten oder auch nicht mithalten zu können. Du magst dich schlecht fühlen oder die Illusion haben, einen perfekten Lifestyle leben zu müssen.
Doch was davon ist authentisch?
Früher dachte ich auch: Was ein schönes Leben.
Bis ich nach Griechenland reiste.
Ich ergatterte mir damals ein Last-Minute-Angebot auf einer griechischen Insel. Es war ein Glücksgriff – ich freute mich.
Das Hotel war sehr charmant. Ich verbrachte den ersten Abend am Meer und am nächsten Morgen ging ich relaxt zum Frühstück.
Dann erschien eine Dame, die in der ruhigen Atmosphäre und den ersten Sonnenstrahlen schon mürrisch schaute. Sie brummelte ihren Freund an.
Bis zu dem Zeitpunkt machte ich mir nichts draus. Ich genoss weiter das Frühstück. Bis sie weiter in grummeliger Miene aufstand, eine Weile weg war und wiederkam. Sie stellte etwas vor sich. Ihre Haare hatten sich verändert, doch die Laune ist geblieben. Die Mitmenschen am Tisch wirkten außergewöhnlich adaptierend auf die mürrische Laune, die den Nachbartisch bestimmte.
Bis die Dame das Produkt vor sich in die Hand nahm, lächelte, die Arme nach oben riss und sagte: „Griechenland, best mood!! Time of my life.“ Ich kann mich nicht mehr an die exakten Worte erinnern. Ich weiß nur, wie ich irgendwann verstanden habe, dass diese Dame eine sehr große Followerbase hatte und unter anderem Produkte vermarktete.
Dann später fand ich sie online bzw. über das Hotelprofil. Die perfekte Szene, ihr Lächeln, das Produkt – man meinte, sie lebt die pure Freude. Doch ich sah nicht nur das schöne Bild, wo sie lächelt, als wäre sie ausgeglichen und glücklich, ich erlebte die mürrische Hintergrundszene einer Frau, die mir fast selbst die Laune beim Frühstück herunterdrosselte oder an dem Tag nicht die war, die ich online sah.
Später sah ich sie erneut laufen und hörte sie sich beschweren, wie weit der Weg war. Doch dann kam das nächste Video. Das perfekte Lächeln online vom Weg zum Strand. Die Leute bewunderten die Szene und ihr Leben, doch was keiner sah, wie diese Frau sich anscheinend wirklich während ihres Aufenthalts fühlte.
Das zu erleben hat mich aufgeschreckt. Es hat mich hautnah hinter die Fassade blicken lassen, dass Realität und Auftritt in den sozialen Medien nicht immer kongruent sein müssen.
Ich sage das nicht als Verallgemeinerung oder Kritik, sondern vielmehr, weil es mir die Augen geöffnet hat, dass selbst jemand, der vermeintlich den perfekten Online-Auftritt hat und als gut gelaunt und positiv erscheint, genauso seine „5 Minuten“ und „schlechten“ Tage haben kann. In anderen Worten einfach Mensch ist.
Und plötzlich war die Blase geplatzt. Ich traute keinem Blogger mehr. Ich verstand nun besser, wie Menschen dafür bezahlt werden, etwas zu verkaufen und sich ab und zu zu verstellen. Verständlich – es ist Business. Doch was ist die Konsequenz? Wie man schon selbst manchmal an sich selbst nagt. Wie sehr man versucht, diesen Lifestyle nachzujagen, den es, wenn ich ehrlich bin, für mich gar nicht so gibt.
Neulich lief ich an einer Kaffeekette vorbei – neu geöffnet, absolut gehypt. The place to be. Ich sage ehrlich: Wenn der Laden nicht gehypt wäre, würde ich mir denken: komische Gardinen, völlig kalt eingerichtet, nur Plastikbecher – entspricht überhaupt nicht meinen Werten. Und es ist auch gut so. Denn ich gehe da auch nicht hin.
Und doch stelle ich mir die Frage, wie manipulativ die Online-Szene geworden ist und unsere eigene Idee von Lebensstil, Dazu gehören und gar unsere Entscheidungen in gewissem Maße manipuliert, ohne dass man es häufig bewusst mitbekommt. Generell ist es zunächst nichts Schlechtes, doch die Folgen für die innere Erfülltheit oder die eigenen Potenziale können weitreichend sein. Warum?
Du kaufst plötzlich was, weil du denkst, du bist in oder gehörst dazu, doch ist das wirklich so?
Am Ende des Tages bist du Follower, kein Kreator.
Jemand, der ständig anderen folgt, ist er wirklich selten selbst in seiner Mitte, oder lebt selbst seine Träume? Denn wenn ich ständig anderen folge, verliere ich vielleicht irgendwann den Kontakt dazu, was eigentlich mein eigenes Ding ist. Denn wie kann ich meine Träume leben, wenn ich ständig Inspiration bei anderen suche oder mache, was andere für gut heißen? Wenn ich ständig Trends hinterherjage, ohne mal eine Minute zu fühlen: Passt das gerade zu mir? Möchte ich das gerade unterstützen?
Manchmal werden Getränke gehypt, dass du denkst, du musst sie trinken, weil sie gesund sind oder jetzt der Blogger trinkt. Ich habe einmal ein gehyptes Getränk getrunken, von dem habe ich Bauchschmerzen bekommen. Es werden Cremes gehypt, von denen habe ich Pickel bekommen. Hinterher habe ich gelesen, dass sie hormonverändernde Stoffe enthalten. Ich habe diesen Trend nur ab und zu gemacht. Und schnell gemerkt: Das ist nichts für mich. Das bringt mich weiter weg von mir selbst und dem, was ich wirklich fühle zu tun.
Und genau das hat mich nachdenklich gemacht. Wie die Bloggerszene so gehypt wird, und am Ende haben wir unendlich viele Follower, aber wie viele Menschen haben wir, die wirklich ihr Ding machen und ihre eigenen Träume leben oder den Lebensstil verfolgen, der wirklich mit ihnen übereinstimmt? Am Ende folgen wir häufig dem Traum eines anderen und vergessen, dass wir womöglich unsere ganz eigenen Träume in uns schlummern, die gar keinen Raum bekommen, entfacht zu werden, wenn wir ständig am Handy sind und schauen, wo „the next place to be“ ist?
Heute habe ich meinen Lebensstil weiter angepasst.
Ich esse intuitiver. Ich reise intuitiver. Ich führe mein Business intuitiver. Ist das immer leicht? Nein. Aber es fühlt sich mehr nach mir an als alles andere. Am Ende des Tages erinnere ich mich: Der Lifestyle, den ich online zu sehen bekomme, ist ein kleiner Ausschnitt des Tages eines anderen, und manchmal nur ein gestellter Blick, den ich nicht sehe. Und manchmal steckt da ein Business dahinter. Und manchmal ist es vielleicht auch authentisch – genau die können schnell auch zur Inspiration werden.
Nicht alles ist fake – manches kann auch verdammt echt sein. Und das fühlt man irgendwann. Ich weiß nicht wie. Aber sobald du selbst intuitiver und echter wirst, spürst du plötzlich die ganze Illusion. Du spürst, was noch mit dir resoniert und was nicht.
Und genau das ist wichtiger denn je – denn nur so gelingt es dir, wirklich bei dir selbst zentriert zu bleiben und dein eigenes Ding zu finden bzw. zu leben.
Denn genau das wurde mir bewusst, wie man sich manipulieren lassen kann. Genau wie diese Frau in Griechenland.
Diese Frau, die mir fast beim Frühstück die Laune oder Atmosphäre heruntergezogen hat, genießt online viele anhimmelnde Blicke für ihren vermeintlichen Lebensstil. Doch ein Foto ist nicht Realität. Ein Lächeln spiegelt nicht immer das wahre Bild einer Person.
Und wenn’s nicht passt, darf man auch mal gerne zum eigenen Schutz „Unfollow“ drücken.
Genau deshalb kann es nett sein, soziale Medien zu nutzen, um sich inspirieren zu lassen, aber sich am Ende des Tages doch immer noch bewusst zu machen, am Schluss den eigenen Träumen zu folgen und für sich selbst zu entscheiden, was sich wirklich stimmig anfühlt. Nicht nur den Träumen oder manchmal dem Business eines anderen.
Ein Impuls zur Selbstreflexion:
- Wie siehst du den Einfluss der sozialen Medien auf dich und andere Menschen?
- Frage dich: Lebe ich eigentlich meinen eigenen Lifestyle – oder den Lifestyle, den ich ständig bei anderen sehe?
10. September 2026
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