„Du willst deinen sicheren Job verlassen?“
Die Frage, die mehr über Sicherheit der Person verrät, als du denkst und warum sie so viel in uns auslösen kann.

Diese Frage wurde mir auch mal gestellt und sie hat anfangs einiges in mir ausgelöst bis ich tiefer verstanden habe was dahinter steckt. Besonders Menschen, die beginnen mit dem Gedanken zu spielen, sich auf etwas Neues einzulassen, was herausfordernd genug sein kann, werden häufig mit genau solchen Fragen und verwirrten Blicken konfrontiert. Woher kommt der Drang nach Sicherheit? Und was ist die Kehrseite davon?
Zunächst einmal verstehe ich die Frage. Der Mensch strebt nach Sicherheit. Besonders im deutschsprachigen Raum ist Sicherheit mehr als nur ein Begriff. Es ist eine Lebensweise.
Man kennt es so von früher, geprägt von vorherigen Generationen, speziell der Nachkriegszeit.
Nach so viel Unsicherheit, war der Drang nach Sicherheit da.
Das heißt, das Konzept von Sicherheit ist tiefer im Unterbewusstsein geprägt, als man denkt. Ich würde sagen, es ist teils schon vererbt. Sicherheit hat auch etwas Gutes. Es gibt einem Halt, besonders in einer unsicheren Welt.
Aktuell ist die Welt im Umbruch. Genau diese Sicherheit, die die Menschen bzw. selbst vieler unserer Vorfahren lebten oder davon träumten, gerät ins Wanken.
Jobs, die früher ein Leben lang sicher waren, sind heute immer unsicherer.
Technologie, Modernisierung und andere Tools machen gewisse Jobs überflüssig oder ersetzbar.
Der Job, der früher als sicher galt, ist heute gar nicht mehr sicher. Und das allein bringt Unsicherheit.
Was bedeutet überhaupt Sicherheit?
Nun kommt die nächste interessante Frage: Was bedeutet überhaupt Sicherheit? Manchmal bedeutet Sicherheit auch: Komfortzone.
Wenn sich etwas sicher anfühlt, ist es meist auch vertraut.
Genau deshalb sträubt sich der Mensch zunächst generell auch gegen alles was mit Veränderung zu tun hat, oder viele tragen zunächst einen gewissen Widerstand oder ein kurzes Luftanhalten oder ein leises Zögern, begleitet von leisen Gedanken wie „Kann ich das wirklich machen?“ Weil plötzlich genau dieses Gefühl von Sicherheit für einen Moment verschwindet. Wie, wenn man in einen neuen Raum kommt und erstmal nicht weiß, was einen erwartet.
Genau das sehen wir jedoch auf der Erde. Der alte Spielraum, sprich die alten Strukturen, Spielregeln und Doktrinen, wie wir sie kannten, fangen an zu zerbröckeln. Der gewohnte Spielraum verändert sich, bei einigen nur schleichend, bei manchen dramatisch. Manchmal ist es auch ein inneres Gefühl, ein innerer Raum, der plötzlich wie zu eng wird, oder sich nicht stimmig anfühlt. Und genau das wird einem häufig im außen direkt gespiegelt: Chaos, Herausforderung, Veränderung.
Sicherheit bedeutet aber eben auch Vertrautes. Komfort.
Sicherheit hat auch eine Kehrseite
Und genau hier kommt der Schatten von Sicherheit. Im Komfort ist wenig Wachstum.
Im Bereich von Sicherheit fühlt es sich vertraut an, komfortabel bis zu einem Punkt, dass man sagen könnte: Wenn man zu sehr aus Sicherheit handelt, fängt man irgendwann an zu „funktionieren“. Man macht eben die Dinge so wie man sie kennt.
Man erwägt nicht mal andere Möglichkeiten oder Optionen, weil das Vertraute so vertraut ist.
Es kommt auf deine Lebenseinstellung an
Jetzt kommt es auf die Lebenseinstellung an: vor allem für diejenigen, die tiefere Fragen stellen.
Warum bin ich eigentlich hier?
Was kann ich kreieren?
Wie kann ich mich selbst erfahren?
Wie sagte mal ein mystischer Guru aus Indien: „Sicherheit findest du nur auf dem Grab. Da liegst du sicher.“
Dieser Satz hat mich irgendwie inspiriert.
Denn genau das spiegelt für mich das Leben. Was das Leben mit allen Höhen und Tiefen wirklich ist: Ein Spiel - zum spielen, erfahren, probieren, wachsen. Eigentlich genau das Gegenteil von Sicherheit im klassischen Sinne.
Denn irgendwann verlassen wir alle den Planeten, egal ob mit oder ohne gelebte Sicherheit. Selbst die Sicherheit hält dich nicht vom Sterben ab.
Ist daher Sicherheit nur ein Mythos?
Es heißt nicht, dass ich über meine Grenzen leben und nun alles in Extremen durchführen sollte. Aber die ehrliche Frage: Warum habe ich so stark das Bedürfnis an Sicherheit?
Warum klammere ich mich so stark an Komfort?
Und ich persönlich habe festgestellt, wie manchmal der eigene Verstand einen an die jetzige Realität
klammert, fast festbindet.
Man könnte scheitern.
Man könnte scheitern. Scheitern wirkt zu gefährlich. Man könnte sein Gesicht verlieren. Zu blamabel.
Man hat gelernt, die Fassade im Außen zu bewahren – in anderen Worten gut bei anderen dazustehen.
Doch ein Leben in Sicherheit, ohne Wachstum, ohne Scheitern, ohne Ausprobieren, ist nicht unbedingt ein Leben mit vielen Optionen und gelebten Potenzialen. Nicht, dass das eine besser oder schlechter ist als das andere.
Doch die Wahrheit ist, wenn ich Optionen entdecken will, Potenziale erkunden will und mich selbst erfahren will, muss ich aus dem sicheren Terrain heraus. Ich kann nicht Sicherheit und Wachstum gleichzeitig wollen.
Und das bringt mich zum nächsten Punkt.
Die Angst vor Scheitern, Verurteilung oder Versagen zu verlieren.
Man muss frühzeitig die Angst vor dem Scheitern verlieren. Es ist manchmal leichter gesagt als es ist. Aber was ist Scheitern? Es ist stattdessen Wachstum. Jedes Scheitern lehrt mich etwas. Ich sehe es nicht als Versagen, sondern als Teil des Lernprozesses.
In einigen Kreisen sagt man: Wenn du nicht mehrmals gescheitert bist, hast du nicht genug Erfahrung.
Wie hörte ich mal: James Dyson, der Erfinder des beutellosen Staubsaugers, wird nachgesagt, er sei vorher tausend Mal gescheitert, bis der Staubsauger so funktionierte wie bisher. Er ist keine Ausnahme. Viele Visionäre und Erfinder sind in der Vergangenheit bereits zunächst unzählige Male gescheitert bis der Erfolg oder Erkenntnis kam.
Doch jedes Scheitern bringt dich näher zum nächsten Ziel.
Plötzlich merkst du, da ist keine Sicherheit mehr. Bzw. wenn du dich tiefer erkunden willst, musst du die Sicherheit im Außen aufgeben. Stattdessen schaffst du Sicherheit in dir. Die Sicherheit, das Leben zu erkunden.
Was mir geholfen hat, war die Frage: Was ist das Schlimmste, was passieren kann?
Du scheiterst. Meine Güte. Das ist alles.
„Aber dann kann ich nicht überleben.“ Und genau hier ist der tiefere Schatten von Sicherheit.
Man ist oft im „Überlebensmodus.“
Doch sobald der Überlebensmodus in einem aktiv ist, kann man kaum wachsen. Der Überlebensmodus kann tief im Unterbewusstsein verankert sein. Doch wer sich für die tieferen Fragen im Leben interessiert, wer sich wirklich selbst erkunden möchte und seine Träume leben möchte, muss die sichere Zone auch mal verlassen. Er muss den Überlebensmodus schrittweise verlassen.
Denn was, wenn es nicht schief geht? Was, wenn es richtig gut wird? Dann bist du irgendwann dankbar, den „sicheren“ Job verlassen zu haben. Denn du merkst, der sichere Job hält dich manchmal gefangen in der eigenen Komfortzone, im eigenen Überlebensmodus, wo sich das Leben zwar komfortabel und entspannt anfühlen mag, aber wahnsinniges Wachstum und Entfaltung womöglich weniger der Fall sind.
Daher kommt diese Frage auf die Priorität im Leben an.
Für alle, die sich tiefer erkunden wollen, die ihre Träume leben möchten, die wissen, dass mehr auf sie wartet, für die lautet die Antwort womöglich ja. Denn sie durchblicken die Illusion hinter einem vermeintlich „sicheren Job“. Sie wissen, dass manchmal der Komfort in mehr Unerfülltheit oder Trägheit enden kann, als eine bunte Lebensreise.
Für alle, die das nicht als Priorität haben, die Komfort über Wachstum stellen, für die ist die Frage absolut legitim.
Es ist keine Frage von richtig und falsch. Es ist ein Fragen von: Was ist deine Priorität im Leben?
Und wenn du verstehst, dass jeder nur die Welt aus seiner eigenen Blase sieht, bist du nicht mal mehr getriggert bei dieser Frage.
Du weißt, sie kommt von einer Person, die wahrscheinlich ihr eigenes Wachstum und Potenzial bisher noch nicht zur Priorität gemacht hat, sonst würde sie die Frage nicht stellen.
3. November 2026
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